Seit April kann man nachts zwischen 23 und 5 Uhr gelegentlich einen besonderen Fluglärm über Rheinhessen, dem hessischen Ried und dem Taunus hören. Ein langsames Flugzeug fliegt sehr regelmäßige Bahnen über uns.

Dabei handelte es sich weder um eine Verletzung des Nachtflugverbots noch um Flüge der Rettungshubschrauber, die seit Anfang des Jahres rund um die Uhr möglich sind. Der Grund für die Flüge sind geotechnische Untersuchungen im Auftrag des Unternehmens Vulcan Energy Ressourcen GmbH.
Gemessen wird dabei nach Unternehmensangaben das natürliche Schwere- und Magnetfeld der Erde. Die Ergebnisse der Messungen zeigen, wie Gesteinsschichten unter der Erde aufgebaut sind und dienen dazu, neue Standorte für Geothermiekraftwerke zu finden.
Aufgrund des dichten Flugverkehrs findet die Erkundung im Rhein-Main-Gebiet in der Zeit des Nachtflugverkehrs also nach 23 Uhr statt. Für den Einsatz stationiert ist die Maschine am Flughafen Speyer und startet von dort aus zur ihren Erkundungsflügen.
Geothermiekraftwerke sind eine Möglichkeit die Temperatur im Erdinneren zu nutzen. Die Technologie der Groß-Geothermiekraftwerke unterscheidet sich dabei von Anlagen wie für unsere neue Halle, in diesen großen Anlagen gehen die Bohrungen bis zu 3.000 Meter tief (in kommerziellen kleineren Anlagen 50-200 Meter). Diese Form der Geothermie kann lokale Erdbeben auslösen.
Das Unternehmen Vulcan betreibt in Insheim ein Geothermiekraftwerk und gewinnt dort in einer Versuchanlage aus der dabei geförderten heißen Solelösung das seltene Metall Lithium. Zukünftig sollen größere Mengen Lithium abgeschieden werden und teure und oft unter schlechten Umweltbedingungen gefördertes Lithium ersetzen.
Bei dem verwendeten Flugzeug handelt es sich um eine zweimotorige Maschine mit einer langen Geschichte. Das Flugzeug ist rund 83 Jahre alt, gebaut wurde es 1943 als DC3 (bekannt als Rosinenbomber). Einige dieser Flugzeugtypen sind in speziellen Missionen noch immer unterwegs und fliegen generalüberholt als Basler BT-67 mit moderner Technik.
Der letzte Flug war am 9. Mai, noch steht die Basler in Speyer. Über die Ergebnisse der Flüge ist bislang nichts bekannt, auch ist nicht bekannt, ob die Flüge damit beendet sind.
Das für diese Flüge verwendete Flugzeug mit der Kennung C-GEAJ war lange für die US Air Force im Einsatz, unter anderem in Vietnam. Mitte der 1970er wurde es ausgemustert und 1980 auf einen Flugzeugfriedhof in Tucson, Arizona gebracht. 1998 landete es dann in Oshkosh, Wisconsin bei der Firma Basler Turbo Conventions.
Die Firma baut alte Maschinen vom Typ DC3 um und gibt ihnen ein neues Leben. Es werden moderne Turboproptriebwerke eingebaut, das gesamte Cockpit wird ausgetauscht, ebenso das Seitenruder und Teile der Flügel. Zudem wird der Rumpf im Teil vor dem Flügel verlängert. Dadurch behält das Flugzeug trotz der leichteren Triebwerke die Balance. 2001 und 2003 erhielt es eine neue Zulassung, der Name ändert sich von DC3 in Basler BT-67. Im Januar 2009 hatte die Maschine eine Bauchlandung in der Antarktis und wurde in einer mehrwöchigen Aktion vor Ort repariert (Link zu einem Video der Reparatur noch an der Unfallstelle) und wieder nach Kanada geflogen, wo sie 2006 auf einem Flughafen mit einem Schneepflug kollidierte – wieder wurde sie repariert. Nach einem weiteren Umbau ist das Flugzeug nun als Messflugzeug für das britische Unternehmen Bell Geospace unterwegs.
(Quelle zur Flugzeughistorie: Aerial Visuals Airframe Dossier)
Quellen zu den Forschungsflügen:
Vulcan Energy (hier zu einem anderen Abschnitt des gleichen Projekts)
Rheinpfalz (Paywall)
